Warum es herausfordernd ist, junge Leute für den eigenen Verein zu begeistern
Bevor wir dir unsere Tipps für mehr Engagement junger Leute in deinem Verein geben, müssen wir aber erst einmal detaillierter über die Herausforderungen sprechen. Eine große Herausforderung besteht zum Beispiel schon darin, dass deine Zielgruppe der „jungen Leute“ sehr groß und heterogen ist. Die Deutsche Sportjugend klassifiziert als „jung“ alle Menschen bis zum Alter von 26 Jahren. Bei deiner Ansprache richtest du dich somit an Kindergartenkinder ebenso wie an Schülerinnen und Schüler, Azubis oder Studierende. Da diese Gruppen sich alle in verschiedenen Lebensphasen befinden, unterschiedliche Voraussetzungen und Interessen mitbringen, ist für dich natürlich nichts Neues. Du solltest es aber immer im Hinterkopf haben.
Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass es gerade bei ehrenamtlichem Engagement heute weit mehr Möglichkeiten gibt als noch vor Jahrzehnten. Die Vereinswelt ist viel diverser geworden. Es gibt neue Sportarten und viele neue Engagementbereiche, wo du mit deinem Verein in eine Art Konkurrenz um Ehrenamtler trittst.
Wie schon in unserem Artikel über das Neue und Alte Ehrenamt geschrieben, gibt es heutzutage ganz andere Anforderungen an das Ehrenamt als früher. Gerade die Gen(eration) Z hat eigene Ansprüche an ehrenamtliche Tätigkeiten, die über das selbstlose und identitätsstiftende Zusammensein im Verein hinausgeht.
Die Älteren unter den Jungen, also potenzielle Engagierte in den 20ern, suchen häufig auch nach einer Tätigkeit, die zu ihrem Lebenslauf passt oder diesen aufwertet. Das solltest du bei der Suche nach mehr Jugendbeteiligung im Verein auch im Hinterkopf behalten. Es ist die moderne Version des Ehrenamts, die durch Geben und Nehmen geprägt ist.
Mit diesen Denkanstößen ausgestattet, kommen wir jetzt also zu den Tipps:
Mit diesen Denkanstößen ausgestattet, kommen wir jetzt also zu den Tipps:
1. Frage dich, warum junge Menschen aktuell noch keine Projekte in deinem Verein umsetzen wollen?
- Sie können wirklich projektbasiert mitarbeiten.
- Sie werden mit ihren Anliegen ernst genommen und können sich einbringen.
- Sie können ihre Fähigkeiten, die Ihnen Spaß bereiten, einbringen und weiterentwickeln bzw. ganz neue Fähigkeiten erlernen.
- Sie können ihr Projekt erfolgreich abschließen und das ist auch von der Vereinsführung und vom Verein so gewollt.
2. Schaffe Beteiligungsformate gezielt für junge Menschen
- Passt die Vereinssatzung an und richtet z.B. einen Jugendvorstand ein. So könnt ihr perspektivisch gemeinsam mit den Jungen an einem möglichen Regelwerk arbeiten. Gleichzeitig hat der Jugendvorstand bestimmte Rechte, die er innerhalb des Vereins auch einfordern kann.
- Entwickle Junior Teams. Darin können sich junge Engagierte im Verein zusammenschließen und gemeinsam Projekte oder Modelle für den Verein entwickeln. Für Junior Teams lassen sich darüber hinaus Projektmittel über die Sportjugend beantragen. Für nähere Informationen zum Juniorteam, kannst du mal hier in den Podcast reinhören.
3. Stellt Budget bereit und schreibt es erst einmal gedanklich ab
Abschreiben solltest du das Budget deshalb, weil du dann nicht ständig nach dem Stand des Projekts nachfragen musst. Das nimmst von der Gruppe den Druck und du zeigst Vertrauen. Das wiederum erhöht die Motivation im Team.
Es geht bei diesem Budget nicht um große Summen. Meist reichen 500 bis 1.000 Euro aus, um ein individuelles Projekt über ein Jahr lang zu stemmen. Oftmals entstehen aus Projekten auch Nebenprojekte, damit das Hauptprojekt finanziert werden kann. So können Jugendgruppen innerhalb des Vereins z.B. mit einem Kuchenverkauf bei Heimspielen mehr finanziellen Spielraum für ihre Projekte schaffen.
4. Mach es zu deinem Projekt, sei selbst aber nicht im Projekt
Wichtig ist auch: Natürlich braucht jedes Projekt klare Regeln. Diese stellen aber die Teammitglieder selbst auf.
5. Einfach mal machen lassen oder auch: Einfach mal anfangen
Du wirst sehen, wenn du gelassen bleibst und einem Jugendprojekt in deinem Verein erst einmal Vertrauen schenkst, kannst du langfristig mehr erreichen als mit genauen Plänen. Denn meist ist es frustrierender, bestehende Pläne immer wieder abzuändern, als im Prozess immer wieder regelmäßig neue Feinziele zu definieren.
6. Mache die Öffentlichkeit auf deine Projekte aufmerksam
Wenn du deine Idee nach außen kommunizierst, dann betone dabei, dass euer Projekt offen für alle ist. So sorgst du für ein sehr niedrigschwelliges Angebot, zu dem man sich auch eingeladen fühlt.
7. Begegne Widerständen im Verein offen und suche den Dialog
Suche am besten immer den Dialog. So kannst du dich auch besser in die Bedenkenträger hineinversetzen und versuchen, deren Position zu verstehen. Dadurch hast du die Möglichkeit, möglichen Einwänden besser zu begegnen und dies zu entkräften.
Um dir Mut zu machen: Es wird kaum ein Projekt geben, das ohne Kritiker im eigenen Verein auskommt. Letztlich geht es aber immer darum, wie du selbst dahinter stehst und inwiefern du bereit bist, dafür zu kämpfen. Manchmal kannst du gerade durch das Realisieren eines Projekts belegen, dass es mehr als eine Perspektive geben kann und es möglich ist, Dinge zu schaffen, die vorher unmöglich schienen.