Ein engagiertes Vereinsmitglied scheidet aus und du möchtest wissen, wie du dessen Nachfolge am besten organisierst, ohne das Wissen in deinem Verein zu verlieren? Die Vereinsstrategen führen dich in diesem Artikel in 3 Schritten zur erfolgreichen Wissensweitergabe im Ehrenamt.
Die Chance nutzen, das Ehrenamt neu zu denken
In jedem Verein gibt es diese eine Person, die seit Jahrzehnten da ist und überall fleißig mitmischt. Niemand weiß genau, in wie vielen Bereichen oder Abteilungen der Ehrenamtler Aufgaben übernimmt. Vor allem weiß aber auch niemand genau, wie die Person arbeitet und wie oft bestimmte Aufgaben anfallen. An dieser Stelle nennen wir euch einige Beispiele, die Ehrenamtler oftmals allein und eigenständig übernehmen:
- Das Sportflächenmanagement bzw. die Hallen- oder Platzbelegung.
- Absprachen bzw. allgemeine Kommunikation mit der Stadt oder Kommune.
- Organisation der eigenen Sportveranstaltungen.
- Organisation und Mannschaftsmeldungen für die Meisterschaft.
- Sponsoring für Trikots, Material oder Mannschaftsreisen.
1. Schritt: Bewahre Ruhe und analysiere den Ist-Zustand
- Wie sieht der Zeitplan bis zur Übergabe genau aus?
- Welche Aufgaben hatte der Ehrenamtler konkret?
- Sind diese Aufgaben im Verein dokumentiert?
- Um welche Abteilung geht es? Bzw. wurden möglicherweise abteilungsübergreifende Aufgaben bearbeitet?
Der Zeitplan bis zur Übergabe
Im Normalfall hört ein engagiertes Mitglied nicht grundlos auf. Meistens passt es zeitlich aus familiären oder beruflichen Gründen nicht mehr. Manchmal scheiden Personen aber auch altersbedingt oder aus gesundheitlichen Gründen aus dem Ehrenamt aus. Wenn es zu einer Trennung kommt und der Grund nicht im zwischenmenschlichen Bereich zu suchen ist, nennt euch der Ehrenamtler mit großer Sicherheit den Zeitpunkt seines Ausscheidens. Denn auch der Freiwillige hat ein Interesse daran, dass es nach seinem Ausscheiden für den Verein positiv weitergeht. Idealerweise liegt das Ausscheiden des Mitglieds 1-2 Jahre voraus, sodass genug Zeit ist, einen vernünftigen Übergang zu schaffen. In der Realität sind es allerdings meistens nur Wochen oder wenige Monate. In dieser Übergangsphase solltest du den ausscheidenden Ehrenamtler möglichst oft begleiten, dazu lernen und viele Fragen stellen. Am besten nimmst du auch an Sitzungen oder Veranstaltungen teil, bei denen das engagierte Mitglied federführend ist. Frage auch, ob der Freiwillige im Nachgang für Rückfragen zur Verfügung steht. Oftmals ist das der Fall, sodass Unklarheiten auch zu einem späteren Zeitpunkt gelöst werden können.
Die Aufgabenbereiche
Bei den Aufgabenbereichen ist es wichtig diese in bestimmte Aufgabentypen zu unterteilen:
- Regelmäßige (wöchentliche) Aufgaben wie z. B. der Mitgliedsantrag, das Trainingsmaterial, die An- und Abmeldungen der Mitglieder.
- Saisonale Aufgaben wie z. B. Vereinsveranstaltungen (Turniere oder Weihnachtsfeier), Anmeldeprozesse beim Verband (Meisterschaft), Kommunikation mit der Kommune, Trainingspläne bzw. Platzbelegung.
- Seltene, aber wichtige Aufgaben wie z. B. der Jahresabschluss, der Umgang bei Satzungsverstößen oder einzureichende Unterlagen beim Finanzamt (zum Erhalt des Gemeinnützigkeitsstatus).
Die Dokumentation
Versuche zunächst herauszufinden, ob es über die Tätigkeiten des Ehrenamtlers überhaupt eine Dokumentation gibt. Die Dokumentation beinhaltet alles, was in irgendeiner Form schriftlich niedergelegt ist. Dazu zählen:
- Handschriftliche Notizen
- E-Mail-Schriftverkehr
- Unterlagen in Ordnern
- Word- oder Excel-Dateien
Sobald du dir über die vorhandenen Unterlagen einen groben Überblick verschafft hast, solltest du dir die folgenden Fragen stellen und bestmöglich beantworten:
- Wie komplex ist die Aufgabe?
- Wie gut ist die Aufgabe dokumentiert? Das heißt: Ist für Außenstehende klar ersichtlich, was zu tun ist und wer die richtigen Kontaktpersonen sind?
- Wie wichtig ist die Aufgabe?
- Wie häufig muss die Aufgabe erledigt werden?
Die Abteilungen bzw. die Aufgabenbereiche
In kleinen Vereinen gibt es oft wenige engagierte Menschen, die dafür aber sehr viele Aufgaben anhäufen und mehrere Funktionen gleichzeitig übernehmen. In größeren Vereinen werden die Aufgaben spezifischer, sodass diese auch häufig auf mehrere Schultern verteilt sind. Grundsätzlich kannst du von folgenden zwei Prinzipien ausgehen:
- Je mehr Abteilungen vorhanden sind, desto mehr spezifisches Wissen wird benötigt und umso höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass Wissen im Verein doppelt vorhanden ist.
- Je mehr Personen beteiligt sind, desto geringer ist der Wissensverlust.
2. Schritt: Konkretisiere den Zeitplan
Bei der Konkretisierung des Zeitplans geht es darum, herauszustellen, bis wann welche Aufgaben, die in der Analyse der Ist-Situation im vorangegangenen Schritt herausgefiltert wurden, zu erledigen sind. Und diese Aufgaben gilt es in einer zeitlichen Abfolge entsprechend ihrer Häufigkeit und Relevanz zu bringen. Dies machen wir dir gerne anhand zweier Beispiele deutlich:
- Mitgliedsantrag: Der Mitgliedsantrag ist eine häufige und zumeist standardisierte Aufgabe. Die Aufgabe ist nicht komplex und in der Regel gut dokumentiert. Es ist wichtig den Mitgliedsantrag zu bearbeiten, allerdings steht der Verein auch nicht am Abgrund, wenn es mal ein paar Tage länger dauert oder bei der Bearbeitung Anfängerfehler gemacht werden.
- Jahresabschluss: Der Jahresabschluss ist eine komplexe Aufgabe und für das Fortbestehen des Vereins von enormer Bedeutung. Die Dokumentation ist in vielen Vereinen häufig dürftig, weil Unterlagen nicht zentral und digital, sondern in Ordnern beim Ehrenamtler zuhause oder auf der Arbeit liegen. Die Aufgabe wird aber auch nur einmal jährlich erledigt, sodass genug Zeit ist, sich das Wissen anzueignen.