Sechs Säulen für die Zukunft: Das Ehrenamtskonzept der Turngemeinde Herford

Die Turngemeinde Herford setzt mit ihrem zukunftsweisenden Ehrenamtskonzept „Vereinsheld 2025“ neue Maßstäbe in der Vereinsarbeit. Mit einem ganzheitlichen Ansatz aus Qualifizierung, Wertschätzung und Nachwuchsförderung zeigt der Verein, wie nachhaltige Ehrenamtsentwicklung im Sport gelingen kann.

Für ihr innovatives Ehrenamtskonzept wurde die Turngemeinde Herford mit dem „Großen Stern des Sports 2025“ in Gold ausgezeichnet Foto: BVR / DOSB

Turngemeinde Herford gewinnt Großen Stern des Sports 2025

Die Turngemeinde Herford von 1860 hat etwas geschafft, wovon viele Vereine nur träumen: Die TG wurde Ende Januar mit dem „Großen Stern des Sports 2025“ in Gold ausgezeichnet. „Wir sind super stolz auf das, was wir geleistet haben“, sagt Frederick Humcke im Gespräch mit der spized Club Academy. Der Vorsitzende der Turngemeinde sieht die Auszeichnung auch als Belohnung für einen „echten Kraftakt“ im vergangenen Jahr.


Ausgezeichnet wurde nicht die Vereinsarbeit an sich, sondern das innovative Ehrenamtskonzept „Vereinsheld 2025 – Unsere Zukunft ist Ehrenamt“, das die TG Herford zu einem Vorbild für andere Vereine macht. Ziel des Konzepts ist es, Ehrenamtliche zu gewinnen, langfristig zu fördern, zu vernetzen und zu qualifizieren. Dabei verfolgt die TG einen ganzheitlichen und nachhaltigen Ansatz, wie Humcke erklärt: „Wenn wir erreichen, dass Menschen ihr Leben lang engagiert bleiben, dann hat sich die Arbeit gelohnt.“

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Sechs Säule: „Vereinsheld 2025“-Initiative der TG Herford

Herzstück der „Vereinsheld 2025“-Initiative sind sechs miteinander verzahnte Säulen. Im Mittelpunkt stehen Qualifizierung, Weiterbildung, Austausch, Anerkennung und echte Teilhabe. Ein besonderes Leuchtturmprojekt ist die sechste Säule: das NextGen-Stipendium für junge Ehrenamtliche ab 13 Jahren. Das Stipendium verbindet Engagement und Verantwortung mit einer gestaffelten finanziellen Förderung.

1. Säule: Heldentreffs – Beteiligung und Austausch fördern

Die sogenannten Heldentreffs verfolgen einen partizipativen Ansatz. In den monatlich stattfindenden Treffen, zu denen alle Ehrenamtlichen eingeladen werden, haben sie die Möglichkeit, aktiv Vereinsthemen wie „Vereinsentwicklung“ mitzugestalten und eigene Ideen einzubringen.

2. Säule: Heldenakademie – Qualifizierung systematisch ausbauen

Mit der Heldenakademie verfolgt die TG Herford eine „Qualifizierungsoffensive“. Der Verein investiert gezielt in Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten für Ehrenamtliche. Humcke erklärt: „Wir versuchen bewusst, Angebote zu schaffen, damit Aus- und Fortbildungen durch beispielsweise Kreissportbünde und andere Institutionen bei uns vor Ort stattfinden können.“ Ziel ist es, Seminarleiter zu haben, die im Verein verankert sind, „auch wenn die Kurse über externe Institutionen angeboten werden“.


Das Programm zielt darauf ab, die „Breite an Qualifizierungen“ zu den Ehrenamtlichen zu bringen: sei es Übungsleiter, Sporthelfer, Zusatzqualifikationen oder Trainerscheine für verschiedene Sportarten. So bekommen die Ehrenamtlichen Perspektiven und Möglichkeiten aufgezeigt, sich persönlich weiterzubilden und das eigene Engagement auszubauen.

3. Säule: „Impulse für Helden“ – Niedrigschwellige Weiterbildung

Mit „Impulse für Helden“ hat der Verein ein zusätzliches Lernangebot geschaffen. Kurze Seminar- und Workshopformate zu wichtigen Themen wie „Sicherheit im Sport“, „Öffentlichkeitsarbeit“, „Zukunftsfähigkeit“, „Erste-Hilfe-Kurse“ und „Prävention sexualisierter und interpersonaler Gewalt (PSIG)“ richten sich an interessierte Ehrenamtliche, die sich punktuell weiterentwickeln möchten, ohne umfangreiche Ausbildungsprogramme zu absolvieren.

4. Säule: Helden Plus – Informationskampagne

„Helden Plus“ ist eine Informationskampagne, bei der es darum geht, zu erläutern, was es überhaupt für Benefits für Ehrenamtliche gibt, wie beispielsweise die Ehrenamtskarte, bei der es auch immer wieder Anpassungen gibt. Erst Anfang des Jahres wurde die Ehrenamtskarte auch für Übungsleiter geöffnet. Mit der Karte können Ehrenamtliche Angebote aus Kultur, Freizeit und Alltag vergünstigt nutzen – bei öffentlichen, gemeinnützigen und privaten Einrichtungen. „Wenn uns irgendwas thematisch unterkam, wo Ehrenamtliche profitieren können, haben wir das sofort verbreitet“, erklärt Humcke.

5. Säule: Applaus für unsere Helden – Wertschätzung erlebbar machen

Wertschätzung ist ein zentraler Bestandteil der „Vereinsheld“-Initiative. Veranstaltungen und Seminare werden gezielt so gestaltet, dass die „Helden“, wie die TG ihre Ehrenamtlichen bezeichnet, sichtbar gewürdigt werden. Neben dem passenden Rahmen für die Impuls-Formate oder Heldentreffs hat der Verein rund 300 „Vereinsheld-Rucksäcke“ an seine Ehrenamtlichen ausgeteilt. Eine kleine Aufmerksamkeit, die dem Projekt viele Gesichter verliehen hat. „Wir haben überall die Leute mit unserem Projekt rumlaufen sehen“, blickt Humcke zurück.

Für die TG Herford ist diese Wertschätzung kein Nebenaspekt, sondern eine Grundhaltung: „Ehrenamt ist der Motor, der den gesamten Verein am Laufen hält. Deswegen gibt es das Konzept.“ 

Die Bedeutung des Ehrenamts zeigt sich auch in der Größe und Struktur des Vereins. Rund 3.500 Mitglieder sind aktuell in den Fachabteilungen der TG Herford organisiert. Dabei messe man sich aber schon seit einiger Zeit nicht mehr an der „absoluten Mitgliederzahl“: „Für uns zählt vielmehr, wie viele Menschen wir in Herford bewegen – sei es über Trägerschaften in Kindergärten, im offenen Ganztag oder durch informelle Sportangebote.“ So erreiche die TG tatsächlich viel mehr als 3.500 Menschen. Um dieses breite Angebot aufrechtzuerhalten, engagieren sich knapp 400 Ehrenamtliche im Verein. Etwa 250 von ihnen sind als Übungsleiter tätig.

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6. Säule: NextGen Heroes – Nachwuchs gezielt fördern 

Besondere Aufmerksamkeit legt der Verein auf die Förderung junger Engagierter. Mit den „NextGen Heroes“ richtet sich die TG Herford gezielt an Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren. „Es geht halt nicht ohne Nachwuchs im Ehrenamt. Wenn ich Menschen dazu bringen möchte, sich ihr Leben lang zu engagieren, dann muss ich bei jungen Menschen anfangen“, sagt Humcke.

Die Säule „NextGen Heroes“ kombiniert Qualifizierungen, persönliche Entwicklung und finanzielle Förderung. Jugendliche können Ausbildungen wie den Übungsleiterschein, Sporthelfer oder Vereinsmanager absolvieren. Erfolgreiche Qualifizierungen honoriert der Verein mit einer gestaffelten finanziellen Förderung von bis zu 750 Euro. Geplant seien 100 Stipendien in fünf Jahren, die perspektivisch auch Mobilität ermöglichen sollen. Ziel ist es, den Jugendlichen irgendwann den Führerschein zu finanzieren. Bis es so weit ist, habe man aber noch einen „ganz langen Weg“ vor sich: „Doch schlussendlich hilft den Jugendlichen jeder Euro.“

Ein weiterer wichtiger Grund, warum der TG Herford dieses Stipendium so am Herzen liegt: Dank der Unterstützung des Vereins erwerben die Jugendlichen Soft Skills und Qualifizierungen, die ihnen bei ihrem weiteren beruflichen Werdegang behilflich sein können. 

Sechs-Säulen-Konzept soll Engagement langfristig sichern

Das Sechs-Säulen-Konzept versteht der Verein bewusst nicht als starres Modell, sondern als dynamischen Prozess, der kontinuierlich weiterentwickelt werden muss. „Wir haben gesagt, einen Effekt hat es nur, wenn wir es durchhalten, mit unserer Planungsgeschwindigkeit im Ganzen auch für mindestens 10–15 Jahre, das durchzuziehen. Ansonsten verpufft der Effekt irgendwann. Ehrenamtsentwicklung ist kein Ding, wo man sagt: ‚Ich mache jetzt ein cooles Konzept ein Jahr lang und dann ist bei mir alles besser.‘“

Und genau das sei es auch, was man jedem, der das Konzept kopieren wolle, sagen müsse: „Was man braucht, ist Geduld und Sitzfleisch.“ Man selbst habe zwar schon viel erreicht, sei sich aber durchaus bewusst, dass die Leute nicht nur akquiriert, sondern auch gehalten werden wollen.

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